Schapen, den 22.01.26 

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Flaschenkind Icke – eine Geschichte vom Kämpfen und Vertrauen

Schapen, 10.08.2021

Icke kam zu uns, weil das Leben es nicht leicht mit ihm meinte.
Er ist der Sohn meines Rüden Lee und wurde unter schwierigen Umständen geboren.

Die befreundete Züchterin hatte große Sorgen bei der Geburt ihrer Hündin. Es lief nicht so, wie wir Züchter es uns immer wünschen. Ein Kaiserschnitt wurde notwendig.
Fünf Welpen waren angelegt, doch drei davon hatten sich bereits im Mutterleib zurückgebildet. Nur zwei Welpen – eine kleine Hündin und der Rüde Icke – konnten lebend geholt werden.

Beide waren winzig, zerbrechlich und ihre Haut fühlte sich an wie Pergamentpapier. Der Mutterhündin ging es selbst sehr schlecht, sodass sie ihre Welpen nicht versorgen konnte. Nach vielen Telefonaten war schnell klar:
Ich nehme die beiden Kleinen zu mir.

 

Zu dieser Zeit hatte meine Hündin selbst Welpen, und wir hofften sehr, dass sie die Kleinen annehmen würde. Sie zeigte ihnen sofort die Milchbar, leckte sie liebevoll – doch die kleine Hündin war zu schwach. Sie schnappte noch zwei-, dreimal nach Luft und verstarb.
Ein Moment, der mir das Herz brach.

Dem kleinen Rüden ging es ebenfalls schlecht. Die Zitzen waren für ihn zu groß, er war einfach zu schwach.
Jetzt hieß es handeln – ohne Zeit zu verlieren

.

Mein Kämpferherz war geweckt.
Icke musste es schaffen. Koste es, was es wolle.

Ich ließ ihn zunächst bei Aischa und meiner Junghündin Abigail, die ihm Wärme, Nähe und Geborgenheit schenkten. Dann bereitete ich ein Wärmenest und die erste Flasche vor.
„Flasche“ war eigentlich zu viel gesagt – er bekam seine Milch Tropfen für Tropfen.

Als ich ihn genauer betrachtete, entdeckte ich eine harte Stelle im Nacken, außerdem sah seine Rute ungewöhnlich aus. Die Züchterin erklärte mir, dass der Tierarzt ihm eine Zuckerlösung als Depot gespritzt hatte.
Die Rute jedoch konnte sie sich nicht erklären. Wir vereinbarten, dass ich am Montag mit ihm zu meinem Tierarzt fahren würde – es war Wochenende.

Ich fütterte ihn alle halbe Stunde. Erst nur ein paar Tropfen, dann mehr. In der Nacht verstand er langsam, dass Nuckeln gar nicht so schlecht war – und nahm tatsächlich ein wenig zu.
Ich war voller Hoffnung.

Doch am nächsten Morgen kam die Ernüchterung: Er hatte wieder abgenommen.
Auch der zweite Tag brachte keine Verbesserung. Seine Rute sah immer schlimmer aus, und der Nacken begann zu nässen.
Am dritten Tag – Montag – ging es direkt zum Tierarzt.

Mein Tierarzt war vorbereitet, damit wir nicht ins Wartezimmer mussten. Er rechnete mit einem Welpen, der kaum noch Lebenswillen zeigte.
Doch das Gegenteil war der Fall:
Icke war ein Kämpfer. Ein kleiner Wirbelwind voller Lebenswillen.

Der Tierarzt war sichtlich verärgert über die Erstversorgung. Die Zuckerlösung als Depot war für einen so kleinen Welpen nicht geeignet – sein Körper konnte sie nicht abbauen.
Wir entfernten vorsichtig die abgestorbene Haut am Nacken und behandelten alles weiter mit Salbe.

 

Dann die Rute.
Sie hatte bereits im Mutterleib begonnen, sich zurückzubilden. Vier Wirbel mussten entfernt werden.
Hätte man mit dem Kaiserschnitt länger gewartet, hätte Icke es vermutlich nicht geschafft.

Doch jetzt hatte er eine Chance.

Zuhause begann das Hoffen erneut. Tagsüber nahm er zu, nachts verlor er wieder an Gewicht.
Eine ganze Woche lang ging das so.
Frustrierend. Kräftezehrend. Und doch gab ich nicht auf.

Abigail wich mir nicht von der Seite. Sie putzte ihn, wärmte ihn, regte seine Verdauung an und schenkte ihm genau das, was er brauchte: Liebe.

Am neunten Tag geschah das Wunder.
Icke nahm 20 Gramm auf einmal zu

.
Ich war überglücklich – es fühlte sich an wie Weihnachten.

Kurz darauf kam die Nachricht, dass sich auch seine Mutter langsam erholte.
Und ab diesem Moment hatte der kleine Kämpfer seinen Namen:
Icke.

Von da an ging es stetig bergauf. Sein Nacken heilte, neue Haut bildete sich, und er nahm täglich zu.

Nach knapp vier Wochen musste ich ihn schweren Herzens zurück zu seiner Mutter geben, damit sie ihn weiter aufziehen konnte.
Abigail und ich waren sehr traurig – wir hatten längst darüber nachgedacht, ihn bei uns zu behalten.

Doch manchmal bedeutet Liebe auch, loszulassen.

Icke durfte noch einige Wochen bei seiner Mama verbringen, bevor er in ein wundervolles neues Zuhause zog.

Für mich war es eine unglaubliche Erfahrung und eine große Herausforderung.
Ich würde es jederzeit wieder tun.

Ich danke meiner Freundin für ihr Vertrauen – und dir, lieber Icke, dafür, dass du gekämpft hast.

Danke, dass du zu einem so wunderbaren Kerl geworden bist.